Der Förderpreis "Selbsthilfe nach Krebs" 2001

Selbsthilfegruppen sind ein unverzichtbarer Baustein im Netzwerk der Nachsorge und psychosozialen Begleitung von Krebspatienten. Diese Begleitung beginnt idealer weise bereits im Krankenhaus bei der Mitteilung der Diagnose, reicht über Jahre, Jahrzehnte hinweg, aber endet allzu oft mit der Begleitung Sterbender und ihrer Angehöriger. Seit es sie gibt, wird die Aufgabe der Sterbebegleitung von Selbsthilfegruppen nach Krebs mit Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Die Hospizbewegung ist dagegen hier in Deutschland noch vergleichsweise jung, in Vielem hat sie aus den Erfahrungen der Selbsthilfegruppen profitiert.

Selbsthilfegruppen stellen eine wichtige Lobby zur Durchsetzung gesundheitspolitischer Inhalte dar, die sich an den Betroffenen orientiert. Dieses Selbstverständnis erleben wir in besonderem Maße bei den heutigen Preisträgern. Aus dem jahrelangen selbstverständlichen Engagement für ihre sterbenden Freundinnen in der Gruppe ist die Überzeugung gewachsen, dass es jetzt Zeit für ein stationäres Hospiz auch in ihrer Region sei. Sie haben die Gelegenheit genutzt, als in ihrem Landkreis der Agenda 21- Prozess ins Leben gerufen wurde und sahen darin die Chance „stationäres Hospiz“ im Landkreis Lörrach öffentlich zu machen und in Politik und Verwaltung die Bereitschaft zu wecken, sich dieses Themas anzunehmen. In der ambulanten Hospizgruppe wurden schnell Partner für dieses Vorhaben gefunden, eine breite Sensibilisierung wurde erreicht.

Jetzt inzwischen liegt es in der Hand der Krankenhausverwaltung und des Kreistages in Lörrach Ihre Vorarbeit Wirklichkeit werden zu lassen. Diese Verhandlungen werden von Ihnen immer noch aufmerksam und zur Not kritisch begleitet.
Mit diesem Preis hoffen wir, Ihrem Anliegen in Lörrach noch weiteres Gewicht geben zu können, und möchten Ihr ganz persönliches Engagement und das der Gruppe ehren.

Der Förderpreis Selbsthilfe nach Krebs 2001 des Krebsverbandes Baden-Württemberg e. V. wird verliehen an die:

„Hospizinitiative für ein stationäres Hospiz im Landkreis Lörrach“ der Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs Gruppe Rheinfelden, Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Frau Monika Dörflinger (Gruppenleiterin)
Frau Jutta Vincent und Frau Elain Leypoldt
sowie an die Hospizbegleiterinnen der ambulanten Hospizgruppe Grenzach-Wyhlen
Margarete Doster und Valmira Ritz

in Würdigung ihrer besonderen Verdienste um die Stärkung bestehender Selbsthilfeformen, der beispielhaften Verknüpfung der Arbeit unterschiedlicher Einrichtungen und Gruppen und ihrer prägenden Kraft in dem innovativen Projekt zur palliativen Versorgung von Krebspatienten.

Ehrung von Petra Wechsung, Psychosoziale Nachsorgeeinrichtung und Fortbildungsseminar der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg

Es ist dem Krebsverband Baden-Württemberg e.V. ein besonders Anliegen, Frau Wechsung besonders zu ehren. Denn vorgeschlagen für den Förderpreis Selbsthilfe nach Krebs wurde in diesem Jahr auch die Nachsorgeeinrichtung und Fortbildungsseminar der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Frau Wechsung ist mit Sicherheit eine Frau der ersten Stunde in der Psychoonkologie. Seit nun mehr 20 Jahren ist Sie in der Nachsorgeeinrichtung der chirurgischen Universitätsklinik und im Fortbildungsseminar tätig und dabei stets an der praktischen Umsetzung von Erkenntnissen, immer am Wohl des einzelnen Patienten interessiert.

Dieser Sinn für Praxis zeigt sich deutlich in den von Frau Wechsung maßgeblich geprägten Seminaren für Selbsthilfegruppen ebenso wie in Ihrer Initiative für ein Supervisionsangebot für Leiterinnen der Selbsthilfegruppen nach Krebs. Über Jahre begleitet Sie bereits eine Supervisionsgruppe in Stuttgart, dann endlich hat Sie im Sozialministerium und beim Krebsverband Verbündete für Ihr Vorhaben gefunden und ein in dieser Größenordnung erstmaliges landesweites Projekt mitgeschaffen und als Supervisorin aktiv mitgestaltet.

In der Begründung zu Ihrem Vorschlag stand: „Die besondere Leistung der Seminare liegt im wesentlichen darin, dass die Funktionsträger der Selbsthilfe bei ... Ihrer Mittlerrolle ... unterstützt werden, indem Ihre... „erlittene Kompetenz durch Vermittlung von praxisrelevantem Wissen erweitert wird und ... in aktive Kompetenz umgesetzt wird. Darüber ist es ein Anspruch der Seminare, den ... eigenen Bedürfnissen der Teilnehmer nach Unterstützung und Begleitung als selbst von Krebs Betroffene, gerecht zu werden.
Die Bewältigung dieser Doppelrolle erfordert von der Leiterin der Fortbildungsreihe ein Höchstmaß an fachlicher Kompetenz, Einfühlungsvermögen, Aufmerksamkeit und Flexibilität sowohl in der Durchführung der Seminare, als auch bereits ... bei der Auswahl der Themen. ... Mit dieser  - seit nunmehr über 16 Jahre angebotenen – Ausbildung und Begleitung von Multiplikatoren des Selbsthilfegedankens trägt Frau Wechsung nachhaltig zur Förderung und Weiterentwicklung der Selbsthilfe nach Krebs bei.“
Dies ist die fachliche Anerkennung.
Viel mehr aber danken Frau Wechsung mit Sicherheit die unzähligen Menschen selbst, die Sie auf Ihrem Weg begleitet haben.

Es ist zwar nicht der Förderpreis, den wir Frau Wechsung, überreichen, aber es soll unserer besonderen Wertschätzung damit Ausdruck gegeben werden für Sie und Ihre Leistung.

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