Der Forschungs- und Entwicklungspreis 2000

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Im Rahmen der 19. ATO-Tagung wurde am 11. November 2000 der Preis an die Arbeitsgruppe Psychosoziale Versorgung der Universität Ulm für ihr Projekt „Therapieentscheidungen in der Onkologie: Mitwirkung von Patienten am Entscheidungsprozess in Abhängigkeit vom Therapieansatz und Verlauf“
Unter der Leitung von PD Dr. med. Manfred P. Lutz, Universitätsklinikum Ulm verliehen.

Grundlage dieser Arbeit sind Beobachtungen bei der täglichen Patientenversorgung in der gastrohonkologischen Ambulanz der Abteilung Innere Medizin I der Universität Ulm und in den kooperierenden Abteilungen. Es wurde festgestellt, dass diese Patienten ein sehr unterschiedlich ausgeprägtes Bedürfnis haben, an Therapieentscheidungen mitzuwirken. Einige wollen alles über ihre Erkrankung und mögliche Therapieoptionen wissen und selbst entscheiden, andere überlassen die Therapieplanung lieber dem behandelnden Arzt. In einer ersten Befragung hat die Arbeitsgruppe festgestellt, dass die Patienten in der großen Mehrzahl aktiv am Entscheidungsprozeß teilnehmen wollen. Noch interessanter war die Beobachtung, dass die behandelnden Ärzte nicht wissen, was ihre Patienten wollen. Es besteht also eindeutig der Bedarf, dass Ärzte ihre Patienten vor Therapieentscheidungen fragen, was sie wollen. Derzeit werden die Patienten erneut nach ihren Präferenzen zur Mitwirkung befragt. Die Arbeitsgruppe möchte aber nun zusätzlich herausfinden, von welchen Faktoren die Entscheidung der Patienten beeinflusst wird, und ob sich die Einstellung der Patienten im Lauf der Erkrankung ändert. Erste Ergebnisse dieser zweiten Erhebung werden für das Frühjahr 2001 erwartet. Die Arbeitsgruppe erwartet, dass sie mit ihren Ergebnissen die Versorgung des individuellen Patienten verbessern können, weil sie seine Bedürfnissen an eine Behandlungsentscheidung entgegen kommen. Die Arbeitsgruppe ist der festen Ansicht, dass ihre Untersuchungen zur psychologischen Situation der Patienten helfen, die Betreuung von Tumorpatienten zu verbessern.

„Damit werden die herausragenden Leistungen der Arbeitsgruppe in der anwendungs- und patientenbezogenen Forschung im psychosozialen sowie ärztlichen Bereich der Versorgung von Krebspatienten gewürdigt.“ In seiner Laudatio hebt Prof. Michael Bamberg, Vorsitzender des Krebsverbandes Baden-Württemberg, hervor: „Es ist der einzelne Patient, der hier im Mittelpunkt steht. Dieses Projekt zeigt praktikable Wege auf, wie den Bedürfnissen des Patienten, an der Behandlungsentscheidung beteiligt zu werden, entgegengekommen werden kann. Patienten werden von „Behandelten zu Mit-Handelnden“. Die Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient wird gestärkt, die Bereitschaft zur konsequenten Beteiligung an der Therapie wächst, Angst wird abgebaut und damit der Erfolg der Therapie günstig beeinflußt.
Der Forschungs- und Entwicklungspreis 2000 des Krebsverbandes Baden-Württemberg wird verliehen an die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe:

Psychosoziale Versorgung von Patienten mit gastrointestinalen Tumoren, Ulm „Therapieentscheidungen in der Onkologie: Mitwirkung von Patienten am Entscheidungsprozess in Abhängigkeit vom Therapieansatz und Verlauf.“

PD Dr. med. Manfred P. Lutz (Projektleiter),Dipl. Biol. Anette Rebstock, MPH, PD Dr. med. Thomas M. Gress, Dr. med. Wolfgang Böck und cand. med. Elke Jödicke, Abteilung Innere Medizin I, Ulm
Dr. med. Reiner W. Dahlbender, Dr. Elsbeth Marre und Prof. Dr. med. Franz Porzsolt,
Abteilung Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, Ulm
PD Dr. med. Dietrich Rothenbacher, Abteilung für Epidemiologie, Deutsches Zentrum für Alternsforschung, Heidelberg
PD Dr. med. Karl Heinrich Link, Dipl.-Psych. Miriam Schatz und cand. med. Ulrike Weinhold,
Abteilung Chirurgie I, Ulm
Dr. med. Martin Hetzel, Abteilung Innere Medizin II, Ulm

In Würdigung ihrer herausragenden Leistungen in der anwendungs- und patientenbezogenen Forschung im psychosozialen sowie ärztlichen Bereich der Versorgung von Krebspatienten.

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